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Die Stromlücke kommt früher als erwartet

Bund muss Gas geben: Die Schweiz braucht neue Kraftwerke

Axpo sieht die Versorgungssicherheit in der Schweiz gefährdet, und zwar bereits in wenigen Jahren. «Die Stromimporte sind aufgrund der Veränderungen im europäischen Umfeld keine Option mehr», sagte Heinz Karrer, CEO der Axpo Holding AG, heute an einem Mediengespräch. «Wir müssen den Bau neuer Kraftwerke in der Schweiz schnell an die Hand nehmen.» Axpo klärt momentan mehrere Standorte für den Bau eines Gas-Kombikraftwerks ab und erwartet von der Politik klare Rahmenbedingungen. Karrer: «Es ist dringend, dass der Bund jetzt die Frage der CO₂-Kompensation klärt, sonst geht kein Gas-Kombikraftwerk rechtzeitig ans Netz.»

Axpo, das Bundesamt für Energie (BFE) und der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) sind sich einig: Die Stromlücke kommt. Ab 2013 fehlt es in der Schweiz an Spitzen- und Regelenergie, ab 2018 an Bandenergie. Dies zeigt die Axpo Studie „Stromperspektiven 2020“, die jetzt in Buchform vorliegt, deutlich auf. Stromimporte sind langfristig keine Lösung. Diese werden sich verteuern und stossen an technische Kapazitätsgrenzen. «Der Zuwachs des Stromverbrauchs um je 2 Prozent in den beiden letzten Jahren, vor allem aber die jüngsten Entwicklungen im Strommarkt Europa haben die Situation in zeitlicher Hinsicht verschärft», so Heinz Karrer

Stromimporte sind keine Lösung

Die Energie wird auch in anderen Ländern Europas knapp: der Ersatz- und Zubaubedarf in der EU wird auf 300'000 Megawatt beziffert – dies entspricht 300 Kernkraftwerken in der Grösse des KKWs Gösgen. Die Kapazitätsengpässe an den Ländergrenzen verteuern den Stromtransport zusätzlich. Die EU will überdies Langfristverträge, wie sie die Schweiz mit Frankreich abgeschlossen hat, unterbinden. Neue Auslandinvestitionen wären dann kein verlässlicher Beitrag mehr zur Versorgungssicherheit. Die Notwendigkeit zum Bau neuer Kraftwerke im Inland zeichnet sich immer deutlicher und schneller ab. Heinz Karrer: «Nur wenn wir in der Schweiz neue Produktionskapazitäten schaffen, können wir die Versorgungssicherheit langfristig sicherstellen.»

Deshalb baut Axpo einerseits den Bereich neue Energien massiv aus. Zudem erneuert und optimiert das Energieunternehmen seine bestehenden Wasserkraftwerke. Im Sinne einer Übergangslösung evaluiert Axpo Standorte für den Bau von Gas-Kombikraftwerken. Um die Versorgung auch langfristig sicher zu stellen, wird es in der Schweiz ein neues Kernkraftwerk, auch im Hinblick auf den Ersatz von älteren Anlagen, brauchen. Sicherheit, Umweltverträglichkeit (CO₂-frei, Abfallminimierung) und Effizienz der modernen Reaktortechnologie machen die Kernkraft langfristig zur attraktiveren und zuverlässigeren Option für die künftige Energieversorgung als Gas-Kombi-Kraftwerke.

Gas-Kombikraftwerke: Politische Rahmenbedingen fehlen

Bis in der Schweiz ein neues Kernkraftwerk in Betrieb genommen werden kann, bieten Gas-Kombikraftwerke die wohl einzige Übergangslösung. So klärt Axpo in einer Vorstudie mögliche Standorte ab. Obwohl die Dringlichkeit gegeben ist, sind in der Schweiz die Fragen betreffend CO₂-Kompensation noch nicht geklärt. Heinz Karrer: «Leider fehlen in der Schweiz verbindliche politische Rahmenbedingungen, um zeitgerecht Projekte realisieren zu können.» Konkret braucht es ein klares, schweizweit einheitliches und rasches Bewilligungsverfahren für Gas-Kombikraftwerke, sowie ein EU-kompatibles CO₂-Regime für die gesamte Dauer der Laufzeit.

Energieeffizienz führt zu einem höheren Stromverbrauch

Zwingend, so Karrer, ist auch ein sorgfältiger Umgang mit Energie. Massnahmen für eine verbessere Energieffizienz führen jedoch zu einem höheren Stromverbrauch. Das tönt paradox, ist jedoch eine Tatsache, wie das folgende Beispiel zeigt: Wird eine Ölheizung durch eine Wärmepumpe ersetzt, wird insgesamt Energie gespart – in diesem Fall Öl. Für den Betrieb der Wärmepumpe wird etwa ein Drittel der ursprünglichen Energie benötigt, die Wärmepumpe braucht jedoch Strom – entsprechend steigt der Verbrauch. Ein weiteres Beispiel: Minergie-Häuser verbrauchen gegenüber herkömmlichen Häusern weniger Energie. Um eine kontrollierte Wohnungslüftung zu ermöglichen, müssen in Minergie-Häusern Ventilatoren eingesetzt werden, die mit Strom betrieben werden.

Massiver Ausbau des Bereichs neue Energien

Ziel von Axpo ist, bei den neuen Energien einen Marktanteil von 40 Prozent zu erreichen. Seit Anfang Jahr hat das Unternehmen, rascher als geplant, bereits über 100 Mio. CHF in diese umweltfreundlichen Energieformen investiert. Das Portfolio soll massiv ausgebaut werden. Erneuerungsarbeiten bei bestehenden Anlagen, Neubauten und weitere Akquisitionen sind in Vorbereitung. Der Fokus in der Schweiz liegt auf Biomasse, Kleinwasserkraft und längerfristig Geothermie. Im Ausland beteiligt sich die Axpo Tochtergesellschaft EGL (Elektrizitäts-Gesellschaft Laufenburg AG) an Projekten für Biomasse und Windenergie. Trotz dieses Efforts dürften die neuen Energien auch längerfristig nur rund 6 Prozent zum Strommix beitragen. Heinz Karrer: «Die neuen Energien allein lösen unsere Probleme bei realistischer Betrachtung leider bei weitem nicht.»

Ausbau der Wasserkraft: Einigung mit Umweltverbänden

Für die Stabilität des Übertragungsnetzes und damit für die Versorgungssicherheit ist es notwendig, jederzeit über genügend Spitzen- und Regelenergie zu verfügen. Nur schnell und gut zu regulierende Speicherkraftwerke können diese Aufgabe übernehmen. Im Glarnerland erweitert Axpo daher die Kraftwerke Linth-Limmern mit einem zweiten, noch leistungsfähigeren unterirdischen Pumpspeicherwerk. Inzwischen konnte das Konzessionsgesuch eingereicht und das Hauptprojekt an die Hand genommen werden, nachdem mit den Umweltverbänden eine beidseits befriedigende Lösung über die ökologischen Ausgleichsmassnahmen erzielt werden konnte. Im Wallis hat Axpo ein Projekt gestartet für die Erneuerung und den Ausbau der Kraftwerke Argessa. Beim Flusskraftwerk Eglisau-Glattfelden im Kanton Zürich haben die Erneuerungsarbeiten begonnen. Weitere Projekte sind in Prüfung.

Das Buch zur Studie «Stromperspektiven 2020»

Axpo legt ihre Studie «Stromperspektiven 2020» jetzt auch in Buchform vor. Auf über 120 Seiten finden sich leicht verständliche Texte, übersichtliche Grafiken und Statistiken rund um die heutige und zukünftige Energieversorgung der Schweiz.

Die Gesamtstudie lässt sich inhaltlich in vier Bereiche gliedern. In einem ersten Abschnitt werden die allgemeinen Rahmenbedingungen und Vorgaben aufgenommen; in einer zweiten Teilstudie werden alle konventionellen grosstechnischen Produktionsmethoden einer ausführlichen Betrachtung unterzogen. Den neuen erneuerbaren Energien ist im dritten Abschnitt eine weitere Teilstudie gewidmet – wobei schwergewichtig die Entwicklungspotenziale sowie die Kosten und Möglichkeiten der neuen Technologien analysiert werden. In der letzten Teilstudie finden sich Empfehlungen sowie unternehmerische Strategien zur Sicherung der künftigen Stromversorgung.

Das Buch kann hier bestellt oder direkt als PDF heruntergeladen werden.

Weitere Auskünfte:
Hansjörg Schnetzer, Medienstelle Axpo Holding AG
044 278 41 23

Medienmitteilungen
Stromperspektiven 20204 MBPDF
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