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Nur neue Kraftwerke können zunehmende Auslandabhängigkeit verhindern

NOK: Rekordhohe Stromimporte im Winterhalbjahr 2005/06

Die Nordostschweizerische Kraftwerke AG (NOK) musste im vergangenen Winterhalbjahr 15 Prozent des Stromes importieren. Dies zeigt deutlich: Die Schweiz, die früher Strom exportierte, wird zunehmend ein Importland. Ohne neue Kraftwerke im Inland wird die Schweiz nach Beurteilung von NOK-Experten zunehmend vom Ausland abhängig.

Die Strom-Importquote steigt in der Schweiz seit einigen Jahren kontinuierlich an. Erstmals musste die Nordostschweizerische Kraftwerke AG (NOK) bereits im Oktober 2005 Strom für die Versorgung in der Nordostschweiz importieren. Die Importmenge stieg von 170 Mio. Kilowattstunden (kWh) im Oktober auf 472 Mio. kWh im Dezember an. Bis März verflachte die Kurve schrittweise bis zum Total von 1'300 Mio. kWh. Diese Menge entspricht knapp dem kumulierten Jahresverbrauch der Städte Luzern, St. Gallen und Winterthur bzw. 15 Prozent der im Winter benötigten Versorgungsenergie für die Nordostschweizer Kantone und weitere Kunden in der Schweiz von total 8'600 Mio. kWh (inkl. Pumpenergie und Verluste etc. 9'000 Mio. kWh). Hauptursache für diese massiven Importe war die seit September 2005 ungewöhnlich niedrige Wasserführung der Flüsse und die lang anhaltende Kälteperiode. Ohne die privilegierten vertraglichen Stromlieferungen aus französischen Kernkraftwerken und zusätzlichem Stromeinkauf via Börsen wäre die Versorgungssicherheit nicht mehr aufrechtzuerhalten gewesen.

Reserven sind aufgebraucht

Der Stromverbrauch in der Schweiz ist in den letzten 20 Jahren, seit der Inbetriebnahme des Kernkraftwerkes Leibstadt 1984, durch die allgemeine Wirtschaftsentwicklung und die steigenden Komfortansprüche einer wachsenden Bevölkerung um über 45 Prozent gestiegen. Die Inlandproduktion dagegen nur um rund 25 Prozent, wovon der grösste Teil auf das Kernkraftwerk Leibstadt entfällt. Die früheren Reserven sind aufgebraucht; nach Leibstadt ging keine nennenswerte Neuanlage in Produktion. Der Stromkonsum stieg aber weiter an mit jährlich rund zwei Prozent. Allein zur Deckung dieses jährlichen Mehrverbrauches wären pro Jahr vier neue Laufkraftwerke wie jenes am Rhein bei Eglisau nötig.

Importstrom wird teurer

Die EU hält in ihrem kürzlich erschienenen Grünbuch «Energie für die Zukunft» fest, dass die früher in Europa vorhandenen Überkapazitäten nicht mehr vorhanden sind. Die Auswirkungen von europaweit steigendem Stromkonsum bei seit Jahren mangelhaftem Zubau an neuen Produktionskapazitäten bekam auch die Schweiz in diesem Winterhalbjahr deutlich zu spüren. Der von der NOK produzierte Strommix kostet ab Werk durchschnittlich 5 bis 6 Rappen pro kWh. Dagegen schwankten die Börsenpreise, und damit teilweise auch die Beschaffungspreise der NOK, in Leipzig diesen Winter zwischen 8 und 12 Rappen pro kWh für rund um die Uhr verfügbare Bandenergie. Das von der EU geforderte Engpassmanagement an der Grenze Deutschland/Schweiz verteuert den Importstrom seit Januar 2006 nochmals massiv. Je nach Monat kostete allein dieser «Grenzübertritt» über den Rhein, umgerechnet auf ein Monatsband, zwischen 0,5 und 2 Rappen pro kWh. Das erhöht den Preis des importierten Stroms zusätzlich um 6 bis 16 Prozent. Importstrom ist somit doppelt so teuer wie Strom aus eigenen Kraftwerken.

Langfristverträge sind gefährdet

In der EU sind derzeit politische Bestrebungen im Gange, Langfristverträge über mehr als zwei Jahre zu unterbinden. Langfristverträge wie sie die Schweiz mit Frankreich besitzt, sollen zugunsten von Marktmechanismen stark eingeschränkt werden. Dieser Punkt wird in den nächsten Monaten ein wichtiges Traktandum von bilateralen Gesprächen Schweiz-EU sein. Zusammen mit dem „Engpassmanagement“ (Auktionen) an den Landesgrenzen dürfte der Stromimport durch die neuen Entwicklungen tendenziell verteuert werden. In dieser Situation tut die Schweiz gut daran, sich nicht auf zunehmend unsicher erscheinende Importmöglichkeiten zu verlassen. Für die NOK ist die Option Stromimport als langfristiger Beitrag zur Deckung der bevorstehenden Stromlücke jedenfalls stark in den Hintergrund getreten.

Weitere Auskünfte: Hansjörg Schnetzer, 044 278 41 23

Winterhalbjahr 2005/06 (1. Oktober 2005 bis 31. März 2006)

Total Versorgungsenergie 8'570 Mio. kWh *
Pumpen, Verluste, Eigenbedarf 430 Mio. kWh
Total Inlandverbrauch NOK 9'000 Mio. kWh

NOK-Produktion im Inland

  • Wasserkraftwerke 1'950 Mio. kWh
  • Kernkraftwerke 5'780 Mio. kWh

Total Inlandproduktion NOK 7'730 Mio. kWh

Netto-Import für Versorgung 1300 Mio. kWh

* Gerundete Zahlen

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