EGL: Solide Bruttomarge, unbefriedigendes Unternehmensergebnis
Dietikon, 1. Juni 2010
Die EGL Gruppe erzielte im ersten Halbjahr 2009/10 eine solide Bruttomarge von CHF 420.9 Mio. (- 4%). Verschiedene wesentliche Effekte auf der Aufwandseite führten jedoch zu einem gegenüber dem Vorjahr deutlich tieferen Unternehmensergebnis von CHF 38.4 Mio. (-69%).
In einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld und bei eher tiefen Energiepreisen, erzielte die EGL im ersten Semester des Geschäftsjahres 2009/10 eine gegenüber der Vorjahresperiode um 4% tiefere Bruttomarge von CHF 420.9 Mio. Diese Bruttomarge wurde zudem durch Mehrausgaben für die Strombeschaffung aufgrund des Ausfalls des französischen Kernkraftwerks Bugey beeinträchtigt.
Das Unternehmensergebnis verringerte sich im Vergleich zur Vorjahresperiode um 69% auf CHF 38.4 Mio. Hierzu trugen verschiedene wesentliche Effekte bei: Abschlusskosten aus dem nicht möglichen Verkauf des Kraftwerkprojekts Energy Plus, ein schlechteres Finanzergebnis aufgrund tieferer Zinserträge und negativer Kursentwicklung des Euros sowie höhere Ertragssteuern. Im ersten Halbjahr erzielte die EGL einen Geldfluss aus Geschäftstätigkeit von CHF -66.3 Mio.
Erfolgreiches Handelsgeschäft
Im Handelsgeschäft bewährte sich die Hub-Strategie der EGL, also die dezentrale Organisation der Aktivitäten in verschiedenen Handelsregionen Europas. Diese geografische Diversifikation und die Nähe zu Märkten und Kunden sowie ihre Handelskompetenz ermöglichten es der EGL, ihr Handelsergebnis klar zu verbessern. Der Geschäftsbereich Energy Trading & Origination erzielte insgesamt ein betriebliches Ergebnis von CHF 208.3 Mio. (Vorjahr: CHF 152.4 Mio.).
Aufwendungen trüben Resultat im Asset-Bereich
Im Geschäftsbereich Assets belasteten die oben genannten Effekte im Zusammenhang mit dem Kraftwerkprojekt Energy Plus und dem Kernkraftwerk Bugey das Ergebnis. Die übrigen Assets produzierten zuverlässig und konnten erfolgreich in die Handelstätigkeit integriert werden. Das Gas-Kombikraftwerk SE Ferrara lief in einer Testphase und nimmt seinen Betrieb voraussichtlich im Juli 2010 auf. Das betriebliche Ergebnis des Geschäftsbereiches Assets lag mit CHF -25.3 Mio. deutlich unter dem Vorjahresniveau (CHF 72.2 Mio.).
Entkopplung von Erdgas- und Ölpreisen hält an
Das Erdgasgeschäft der EGL war geprägt durch die geringe Nachfrage, gepaart mit einem Überangebot am Markt sowie die daraus resultierende anhaltende Entkopplung von Erdgas- und Ölpreisen. In der Folge entwickelten sich die Vertriebsmargen für den Absatz von Erdgas aus langfristigen Bezugsverträgen negativ. Fortschritte hingegen konnte die EGL beim weiteren Aufbau des Geschäftes mit Liquefied Natural Gas verzeichnen. Zudem konnte sie die Verhandlungen mit möglichen neuen Partnern für das Projekt der Trans Adriatic Pipeline soweit vorantreiben, dass am 20. Mai 2010 die Beteiligung von E.ON Ruhrgas mit 15% an der TAP AG bekanntgegeben werden konnte. Der für das langfristige Erdgasgeschäft und die Stromhandelsaktivitäten in Südosteuropa verantwortliche Geschäftsbereich Gas Supply & Southeast Europe erzielte für das erste Halbjahr 2009/10 ein betriebliches Ergebnis von CHF -19.3 Mio. (Vorjahr: CHF -21.7 Mio.).
Netzbewertung und EU-Stromabkommen: Entscheide offen
Noch ausstehend ist die definitive Bewertung des EGL Übertragungsnetzes in der Schweiz, die massgebend für die Festlegung der anrechenbaren Kosten ist. Entsprechende Beschwerden der EGL beim Bundesverwaltungsgericht sind hängig. Verhandelt wird derzeit ein Stromabkommen zwischen der Schweiz und der EU, das unter anderem den Netzzugang für den grenzüberschreitenden Stromhandel regelt. Dabei muss eine Lösung gefunden werden, welche die Investitionen der EGL schützt.
Strategieumsetzung noch stärker fokussiert
Die EGL hielt auch im wirtschaftlich schwierigen Umfeld an der Umsetzung ihrer Strategie fest. Aufgrund der konjunkturellen Lage haben sich jedoch Renditeaussichten von Projekten und Geschäftsideen verändert, was zu einer stärkeren Fokussierung führte. Weiteres Wachstum wird mit Augenmass und hohem Kostenbewusstsein geprüft und im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten der EGL erfolgen.
Ausblick
Prognosen über Preisentwicklungen in den Energiemärkten sind anspruchsvoller geworden. Damit werden derzeit auch Vorhersagen über Handelserfolge erschwert. Einer der Hauptgründe dafür sind die teils unberechenbaren Einflussfaktoren der Finanz- und Wirtschaftskrise, welche neben den sonst bekannten Einflussgrössen auf die Energiepreise wirken. Aus heutiger Sicht geht die EGL davon aus, dass ihr Unternehmensergebnis für das Geschäftsjahr 2009/10 in etwa auf der Hälfte des Vorjahresniveaus (2008/09: CHF 186.7 Mio.) liegen wird. Sie hat ihre bereits eingeleiteten Massnahmen zur Kostenreduktion weiter verstärkt. Trotz der kurzfristig belastenden Effekte hält die EGL an ihrer langfristigen Strategie fest, um ihre Position im europäischen Energiehandel weiter zu stärken.
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